München (dapd). "Ich kann das nicht" ist ein Satz, den die meisten Eltern kennen. "Manchmal steckt einfach Lustlosigkeit dahinter, manchmal aber auch ein Mangel an Selbstwertgefühl", betont Prof. Sabine Walper vom Deutschen Jugendinstitut in München. Ein schwaches Selbstwertgefühl kann in einer ängstlichen Disposition von Kindern angelegt sein und sich durch häufige Negativbotschaften verstärken oder auch erst auf diesem Weg entwickeln.
"Oft entsteht ein Teufelskreis, weil Kinder mit schwachem Selbstwertgefühl ihre Misserfolge immer eigenen Schwächen zuschreiben. Erfolge führen sie dagegen auf Zufälle oder die Mithilfe anderer zurück", betont die Psychologin.
Um Kinder zu stärken, sollten Eltern darauf achten, dass negative Erfahrungen nur ein "wohldosiertes" Maß einnehmen. Das heiße nicht, sie immer davor zu schützen, aber unnötige Situationen zu vermeiden, in denen sie zwangsläufig "die Verlierer" sind. Beispiel: Eltern nehmen nach Feierabend ein abgekämpftes Kind mit in einen überfüllten Supermarkt, wo sie es am Ende anbrüllen, weil es quengelt oder wegläuft. "Das sind Problemsituationen, an denen Kinder nicht unbedingt wachsen", betont die Pädagogin.
Stattdessen sollten Kinder möglichst viele Chancen bekommen, ihre Kompetenz zu zeigen. Das kann beim Malen, Basteln, Klettern, Ballspielen oder anderen Aktivitäten sein. Wichtig ist, dass Eltern ihnen dann eine ehrliche Rückmeldung geben. Ermutigungen, wie "wir glauben, dass du das kannst" wirkten fast immer positiv auf das Selbstwertgefühl. Mit Pauschallob sollten Eltern hingegen sparsam umgehen. "Eine Anerkennung darf keine leere Behauptung sein. Kinder spüren sehr genau, wenn etwas nicht ernst gemeint ist", warnt die Psychologin. Übermäßig viel Lob könne zudem die Wahrnehmung der eigenen Fähigkeiten verzerren und in Selbstüberschätzung ausufern.
Die Expertin rät auch, Kinder stets an den eigenen Fähigkeiten zu messen und auf Vergleiche mit anderen zu verzichten. "Das machen Kinder ohnehin unentwegt, vor allem in der Schule. Schneiden sie schlechter ab als der Freund, kann das gewaltig am Selbstwert nagen", betont Prof. Walper. Der beste Nährboden für ein gesundes Selbstwertgefühl sei emotionale Wärme, Nähe und Liebe. Ein Kind, das sich mit all seinen Stärken und Schwächen angenommen und geliebt fühlt, kann auch mit Misserfolgen umgehen."
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