Washington (dapd). Halbiert in nur zehn Jahren: Das ist die Bilanz der tropischen Überschwemmungsflächen um den See Tonle Sap in Kambodscha. Vor allem die Landwirtschaft zerstört die Wiesengebiete und damit die Artenvielfalt. Allein elf Vogelarten gelten als vom Aussterben bedroht, warnen Forscher im Fachjournal "Conservation Biology".
Der Tonle Sap (khmer für "Großer See") ist das größte Binnengewässer Südostasiens und einer der fischreichsten Seen der Erde. Umgeben ist der See von Savanne, die saisonal überschwemmt wird. Die Fische, Weiden und Reisanbauflächen dienen 1,1 Millionen Menschen als Nahrungsgrundlage. Vom Aussterben bedrohte Tierarten haben dort ihre letzte Zufluchtstätte.
65 Prozent der Wiesen in den vergangenen 14 Jahren vernichtet
Das alles ist nun gefährdet. Ökologen um Charlotte Packman von University of East Anglia in Norwich haben festgestellt, dass sich die Flächen der überschwemmten Savannengebiete zwischen 1995 und 2005 fast halbiert haben. Das wertvolle Ökosystem schrumpfte von 3.349 Quadratkilometern auf 1.817 Quadratkilometer. Weitere 19 Prozent der Fläche gingen in den vier Jahren danach verloren. Obwohl 2009 173 Quadratkilometer unter Schutz standen, sind diese Wiesen bis 2011 weiter geschrumpft: 28 Prozent gingen an die intensive Landwirtschaft verloren.
In der Folge des Lebensraumverlustes sind beispielsweise die Bestände der Barttrappe um 44 Prozent in nur sieben Jahren eingebrochen. Auch der größte Kranich der Erde, der Saruskranich sowie Störche, Ibisse und Adler haben große Teile ihrer Heimat verloren.
Als Ursache für die Zerstörung der saisonal überschwemmten Savannen identifizierten Packman und ihre Kollegen vor allem die Landwirtschaft. Der kommerzielle Reisanbau geht einher mit der Errichtung von Bewässerungsgräben. Oft werden diese Gräben illegal angelegt. Weitere Flächen, auf denen früher traditionelle, extensive Landwirtschaft betrieben wurde, sind heute Buschland.
Intensive Landwirtschaft zerstört Artenvielfalt und Lebensgrundlagen
"Tropische und überschwemmte Wiesen gehören global zu den bedrohtesten Ökosystemen", erläutert Packman. Das Gebiet um den Tonle Sap See sei die größte verbliebene Fläche überschwemmter Savanne in Südostasien. "Das Gebiet ist enorm wichtig sowohl für die Artenvielfalt als auch für die Lebensumstände einiger der ärmsten Gemeinschaften der Welt", betont Packman. Privatisierung und Landraub hätten die kommunalen Flächen dezimiert und die verträgliche, extensive Landwirtschaft verdrängt. Die Ökologin betont: "Unsere Forschung zeigt, dass die Wiesen in alarmierendem Tempo verschwinden." In Thailand und Vietnam seien vergleichbare Flächen inzwischen gänzlich zerstört worden.
dapd
