© Giuseppe Blasioli - Fotolia.comSelbst wenn ein passionierter Oldtimer-Fan etwas Geld ansparen konnte, stehen einem Kauf meistens noch andere Faktoren im Weg. Wer einen Oldtimer kaufen möchte, sollte über ausreichend Zeit und Platz sowie über die nötige Expertise für Wartung und Pflege des Klassikers verfügen.

Dieser Problematik haben sich mittlerweile mehrere, sogenannte Legenden-Leih-Klubs angenommen, damit jeder Autofan die Möglichkeit hat, gelegentlich mal am Steuer eines Klassikers zu sitzen. Wie die Welt berichtet, zahlt man in so einem Klub einen jährlichen Beitrag, für den einem Punkte gut geschrieben werde. Je nach Höhe des Beitrags variieren auch die vergebenen Punkte. Mit diesen Punkten kann man dann über das Jahr verteilt Oldtimer mieten. Die Punkt-Preise hängen vom jeweiligen Automodell ab und ob das Auto werktags oder am Wochenende geliehen wird.

Abgerechnet wird wie beim gängigen Carsharing über die Zeit und nicht die zurückgelegte Distanz. Tim Hallas-Hindinger, Mitarbeiter bei der Firma Automobile Meilensteine sagt, dass der Fokus bei dieser Art des Carsharings nicht auf dem Transport von A nach B liegt, sondern primär der Spaß bei der Fahrt im Vordergrund steht. Dabei spielt es keine Woche, ob der Oldtimer nur für einen Nachmittag oder ein ganzes Wochenende gebraucht wird. Die zur Verfügung stehende Auswahl der betagten Autos gehören alle der Firma, da der emotionale Wert sonst zu Ärger führen könnte.

Das sieht Christian Roth deutlich entspannter. Er bietet in Konstanz Carsharing für Oldtimer an. Bei Classic Cars Constance werden neben seinen eigenen Klassikern auch Fremdfahrzeuge für Tagespreise vermietet und vermittelt. Natürlich gibt es Autoliebhaber, die nur die eigenen Hände ans Steuer des geliebten Wagens lassen, es gibt aber offensichtlich genügend Leute, die das etwas lockerer sehen. Neben der Tatsache, dass der Oldtimer regelmäßig bewegt wird, kann durch die Gewinnbeteiligung beim Carsharing zumindest ein Teil der Kosten für Unterhalt, Pflege und andere anfallende Kosten gedeckt werden. Da viele der Autos sehr speziell sind, wird sich für eine gründliche Einweisung ausreichend Zeit genommen.

Der ADAC beobachtet diese Entwicklung auch interessiert, äußert aber durchaus Kritik an der Thematik. Es wird befürchtet, dass die Fahrer vor der Nutzung auf die Besonderheiten des Fahrzeuges nicht ausreichend aufmerksam gemacht werden. Des Weiteren wären Übung und Erfahrung nötig, um die Klassik-Autos bei wechselnden Wetterbedingungen sicher durch den Verkehr zu lenken. Dabei ginge es nicht nur um die Sicherheit der Fahrer, sondern auch das Wohl der Autos würde aufs Spiel gesetzt werden. Frank Reichert, Leiter der Klassik-Sparte beim ADAC sieht auch erhebliches Konfliktpotenzial bei Haftungsfragen beispielsweise bei unsachgemäßer Handhabung, da der finanzielle und emotionale Wert der Autos den aktueller Autos übersteigt.

Trotz gewisser Zweifel bietet das Oldtimer-Sharing tolle Chancen für Liebhaber klassischer Autos, gelegentlich selbst am Steuer der Fahrzeuge sitzen zu können.

Bildrechte: © Giuseppe Blasioli – Fotolia.com