Saarbrücken (dapd). Endlich ist das Baby da. Nach neun Monaten Vorfreude will man den kleinen Erdenbürger rundum genießen. Doch das ist gar nicht immer so leicht: "Ein Baby verändert das Leben für viele Mütter sehr stark", sagt Sabine Angermeer, Dozentin an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken. Die eigenen Bedürfnisse rücken in den Hintergrund, alles dreht sich plötzlich um das kleine Kind. "Das kann auch mal anstrengend sein", sagt die Expertin. Sie rät Frauen dazu, sich frühzeitig mit dem Thema "Zeitmanagement" zu befassen und Hilfe anzunehmen.

Das Baby schreit, will gewickelt, gefüttert und getröstet werden: "Im Streben, alles für das Kind zu tun, stellen viele Mütter ihre eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund", sagt die Expertin. Erst das Kind, dann ich – laute die Devise. Kommen dann noch der Haushalt oder Beruf hinzu, würden viele Frauen sich irgendwann von den anfallenden Aufgaben regelrecht erschlagen fühlen. Es wird alles zu viel. "Dieser permanente Stress wird durch Schlafmangel und psychische Belastungen noch zusätzlich verstärkt."

Auch Mütter brauchen Pausen, sagt Angermeer: "Ich empfehle Frauen, sich regelmäßig Freiräume zuzugestehen." Für eine Stunde einen Babysitter buchen, die Großeltern einspannen – in kleinen Auszeiten könne neue Kraft getankt werden. Hinzu kommt eine Portion Gelassenheit: "Mütter sollten sich zugestehen, dass nicht immer alles perfekt sein muss." Um Haushalt und Co. stressfrei zu erledigen, sei ein Tages- oder Wochenplan, der den Alltag strukturiert, hilfreich. "So ein Überblick schützt vor dem Gefühl der Überforderung." Auch To-Do-Listen seien eine gute Alternative.

In den ersten Wochen nach der Geburt ist Hilfe das A und O: "Nehmen Sie die Unterstützung von Familie, Freunden oder auch Nachbarn ohne schlechtes Gewissen an." Vorausgesetzt ist dabei immer, dass man die Hilfe auch benötigt: "Sagen Sie nicht nur aus Höflichkeit Ja. Auch Nein-Sagen kann Stress reduzieren, wenn die angebotene Hilfe eher eine Belastung darstellt." Wichtig sei es, sich auf die wesentlichen Dinge konzentrieren zu können, anstatt tausend Dinge gleichzeitig machen zu wollen. "Oft neigen Frauen dazu, alles Mögliche gleichzeitig erledigen zu wollen und geraten gerade dabei unter Druck." Das Wichtige im Leben wahrzunehmen und umzusetzen und das Unwichtige hinten anzustellen – wer Prioritäten setzt, kann für große Erleichterung sorgen.

Gerade für Mütter, die nicht nur ein Kind haben, sei es oft schwierig, neben dem Baby auch noch die Bedürfnisse der größeren Kinder zu befriedigen. "Hier kann ein Tragetuch oder eine Rückentrage eine große Entlastung sein", sagt Angermeer. Denn: Wenn das Baby auf dem Rücken getragen wird, sind die Hände frei. "Das erleichtert den Umgang mit den Geschwisterkindern, ist aber auch für den Haushalt oder Sport sehr hilfreich."

dapd