Das hatte der Düsseldorfer smart-Verkäufer Lutz
Metzner nach eigenen Angaben „noch nie erlebt“. Der Kunde wollte
seinen neuen Kleinstwagen ohne jegliches Zubehör ordern. Solche
Kaufzurückhaltung dürfte in der Tat eine Ausnahme sein. Praktisch
wird wohl kein Auto „pur“ bestellt. Gewieft geschnürte
Paketlösungen, verführerische Ausstattungslisten animieren dazu,
tiefer ins Portemonnaie zu langen.
Stuttgart (dapd). Das hatte der Düsseldorfer smart-Verkäufer Lutz
Metzner nach eigenen Angaben „noch nie erlebt“. Der Kunde wollte
seinen neuen Kleinstwagen ohne jegliches Zubehör ordern. Solche
Kaufzurückhaltung dürfte in der Tat eine Ausnahme sein. Praktisch
wird wohl kein Auto „pur“ bestellt. Gewieft geschnürte
Paketlösungen, verführerische Ausstattungslisten animieren dazu,
tiefer ins Portemonnaie zu langen. Doch lohnen sich bei einem
Wiederverkauf die Mehrausgaben?
„Nach den Erfahrungen unserer Fachleute schlägt sich eine bessere
Ausstattung durchaus im Wiederverkaufswert nieder“, sagt Wolfgang
Siegloch von der Sachverständigenorganisation Dekra in Stuttgart:
„Allerdings sollte man überlegen, ob die entsprechende Option auch
für einen späteren Käufer von Interesse ist oder nur auf die eigenen
Wünsche abzielt.“ So ist ein entsprechend teurer Kameraanschluss,
mit dem der Fahrer sein Pferd im Anhänger beobachten kann, für den
nächsten Käufer wohl kaum attraktiv.
Das deckt sich mit den Erfahrungen von Jochem Ehrlich, der für
den Branchendienst EurotaxSchwacke die Marktpreise beobachtet. „Auf
die richtige Ausstattung kommt es an“, sagt er. „Aber das Zubehör
verliert rasant an Wert“, schneller noch als das Fahrzeug selbst.
„So lassen sich beispielsweise für einen drei Jahre alten
Gebrauchten noch rund 50 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises
erzielen, für die beim Kauf des Autos im allgemeinen teuer bezahlten
Extras in der Regel nur noch zwischen 25 und 35 Prozent“, rechnet
Ehrlich vor.
Zwtl.: Bei einer Mercedes E-Klasse ist Automatik ein Muss
Gleichwohl lohnen sich zusätzliche Investitionen, denn einige
Fahrzeuge sind erfahrungsgemäß ohne Sonderzubehör beinahe
unverkäuflich. Das gilt laut Fachleuten besonders für Autos der
gehobenen Preisklassen. „Ein Audi A8 muss unbedingt ein Navi haben,
beheizte und belüftete Vordersitze sind enorm wichtig“, sagt
Christof Gerhard von der TÜV-Süd-Tochter Auto Plus Consulting.
Was der Gebrauchtwagenkunde erwartet, ist je nach Modell sehr
unterschiedlich, hat Wolfgang Sander vom TÜV Rheinland beobachtet:
„Bei einer Mercedes E-Klasse ist eine Automatik ein Muss, wer sich
hingegen für einen 5er BMW interessiert, dem vergrault ein manuelles
Getriebe nicht unbedingt die Kauflust.“
„Zwar bekommt man bei einem späteren Verkauf nur ein Bruchteil
dessen wieder, was man seinerzeit bezahlt hat“, beschreibt der
TÜV-Fachmann die Crux mit dem teuren Zubehör. „Aber manche Modelle
verkaufen sich eben ohne entsprechende Ausstattung nicht oder nur
äußerst schlecht.“
Laut den Markt-Analysten von Schwacke ist bereits im Kleinwagen-
und Kompaktklassesegment eine Klimaanlage praktisch ein Muss, zudem
Zentralverriegelung, Servolenkung, elektrische Fensterheber vorne,
Metalliclackierung und elektronisches Stabilitätsprogramm. Weniger
honoriert werden beim Verkauf Anhängerkupplung, Automatikgetriebe,
Xenonlicht und Standheizung. Ein Kompaktklassefahrzeug sollte
zusätzlich mit Leichtmetallfelgen und Sitzheizung aufgerüstet
werden.
Zwtl.: Vorsicht beim Navi
Was in den kleineren Klassen noch Kür ist, zählt in der
Mittelklasse bereits zum Standard. So gehören unter anderem
Automatikgetriebe, Lederausstattung, Park Distance Control und
Tempomat zum Pflichtprogramm. Noch bessere Chancen beim Verkauf
haben Wagen mit Navigationsgerät und Xenonlicht. Schon heute hat
fast die Hälfte aller angebotenen gebrauchten Mittelklassefahrzeuge
ein Navigationsgerät und ein Drittel Xenonlicht an Bord.
Zubehör wie Standheizung und Anhängerkupplung kann auch in dieser
Klasse eher vernachlässigt werden. „Je größer das Auto, desto
wichtiger wird die gehobene Ausstattung für den Wiederverkauf“, sagt
Schwacke-Fachmann Ehrlich. „Passend ausgestattete Fahrzeuge lassen
sich deutlich schneller verkaufen als Fahrzeuge, bei denen wichtige
Ausstattungsdetails fehlen oder gar verkaufsschädigende
Ausstattungen beim Neuwagenkauf geordert wurden – wie exotische
Farbkombinationen oder ein Oberklassewagen ohne Automatikgetriebe.“
Dennoch sollte man gut abwägen, an welcher Option in der
Bestellliste das Kreuzchen gemacht wird, gibt Christof Gerhard zu
bedenken. „Bei einem Kompaktmodell macht ein werkseitig eingebautes
Navi für rund 2.000 Euro bei Wiederverkauf keinen Sinn. Da ist der
Neuwagenkäufer mit einem TomTom beispielsweise besser bedient.“
dapd.djn/T2013020400664/nom/K2120/mwa
(Stuttgart)