Weltweiter Gebrauch von Antibiotika steigt rapide © fotyma - Fotolia.comResistente Keime entpuppen sich als eine globale Gefahr. Verursacht werden diese durch den Masseneinsatz von Antibiotika und dennoch steigt der weltweite Gebrauch von Antibiotika drastisch an. Wie die Zeit berichtet, stecken sich zunehmend Menschen mit multiresistenten Erregern an, da sich die Bakterien, gegen die jedes Medikament machtlos ist, seit Jahren vermehren. Forscher warnen vermehrt, dass wenn die Welt nicht aufhört, unbedacht und massenweise Antibiotika in der Massentierhaltung und der Medizin einzusetzen, Bakterien-Infektionen wieder zu unheilbaren Seuchen mutieren können.

Wie der nun veröffentlichte Bericht der CDDEP (Center for Disease Dynamics, Economics und Policy, 2015) verdeutlicht, steigt der Antibiotika-Gebrauch auf der ganzen Welt dennoch äußerst rapide an. Die Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Washington D.C. und Neu-Delhi fokussiert sich auf globale Strategien wie die der Seuchenbekämpfung. Ihr Bericht bezieht sich auf gesammelte Daten aus den Jahren 2000 bis 2010. Alleine in dieser Zeitspanne kamen international 30 Prozent mehr Antibiotika zum Einsatz. Insbesondere in wohlhabenderen Ländern ist der Einsatz von Antibiotika angestiegen. Aber auch in ärmeren Ländern wie Kenia oder Vietnam steigt der Bedarf.  Ebenfalls können Indien und Südafrika einen hohen Anstieg verzeichnen. In vielen Ländern sind diese Mittel frei verkäuflich, da die sanitäre Versorgung vor Ort eher mangelhaft ist. Die Daten werden aus Zahler nationaler und regionaler Überwachungsprogramme  aus 69 Ländern generiert. Die Forschungen machen nicht nur deutlich in welchen Ländern zuletzt besonders viele Antibiotika verabreicht wurden, sondern auch welche Bakterien über die Jahre resistent gegen die Medikamente geworden sind. Wenn sich die Keime an die Mittel gewöhnt haben, wirken diese nicht mehr.

Auffallend sind auf jeden Fall die regionalen Unterschiede. In Indien waren beispielsweise 57 Prozent des gefährlichen Krankenhauskeims Klebsiella pneumoniae resistent gegen Mittel aus der Gruppe Carbapeneme. 2008 waren es lediglich 29 Prozent. In den USA wirkt es allerdings noch zu 90 Prozent und in Europa sogar zu 95 Prozent. Es ist kein unbekanntes Problem, dass Bakterien mit der Zeit resistent gegen Medikamente werden. Einige Länder haben sich darauf eingestellt und versuchen seitdem, den zu häufigen und massenhaften Gebrauch von Antibiotika einzuschränken und konnten diesbezüglich zum Teil auch erste Erfolge erringen. In Großbritannien beispielsweise ist die Zahl an Infektionen mit MRSA-Keimen  in den vergangenen acht Jahren deutlich gesunken. Andernorts wird die Gefahr von widerstandsfähigen Bakterien jedoch weiterhin unterschätzt.

Jedes Jahr sterben laut Schätzungen selbst in Deutschland zwischen 7.500 und 15.000 Menschen an Krankenhausinfektionen, die größtenteils von multiresistenten keimen verursacht wurden. Sechs Schritte werden vorgeschlagen, um die Resistenzen zu verhindern. Zunächst müsse der Bedarf an Antibiotika gesenkt werden, indem die Qualität von Wasser, sanitären Anlagen und Impfungen verbessert wird. Auch das Bewusstsein für diese Gefahr müsse gestärkt werden. Ebenso sei es wichtig, dass auch in der Landwirtschaft weniger Mittel eingesetzt werden. Anstatt Anreize für Überdosierungen zu schaffen, müssten Beschränkungen eingeführt werden. Gesundheitswissenschaftler und die entscheidenden Politiker sollten die Bevölkerung mehr über die Risiken aufklären. Zuletzt benötige es Regelungen und Gesetze, um den Antibiotikagebrauch zu regulieren.

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