Auch in Deutschland ist jetzt als Rindfleisch
deklariertes Pferdehack in Tiefkühl-Lasagne entdeckt worden.
Vorsorglich nahmen Einzelhändler einige Fertiggerichte aus dem
Angebot. Doch eigentlich ist Pferdefleisch nicht gefährlich.
Berlin (dapd). Auch in Deutschland ist jetzt als Rindfleisch
deklariertes Pferdehack in Tiefkühl-Lasagne entdeckt worden.
Vorsorglich nahmen Einzelhändler einige Fertiggerichte aus dem
Angebot. Doch eigentlich ist Pferdefleisch nicht gefährlich. Aber
Etikettenschwindel ist strafbar, und der „krasse Fall von
Verbrauchertäuschung“ ist nach den Worten von
Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) „eine Sauerei“. Die
Nachrichtenagentur dapd beantwortet einige Fragen rund ums
Rossfleisch:
Was hat den Pferdefleischskandal ausgelöst?
Der schwedische Fertigkosthersteller Findus stellte eine Lasagne
Bolognese her, die zwischen 60 und 100 Prozent Pferdefleisch
enthielt. Auf den Packungen angegeben war aber Rindfleisch. Der
eigentliche Skandal ist also, dass die Packungen falsch beschriftet
sind und die Verbraucher getäuscht werden. Findus schob die Schuld
auf den französischen Fleischlieferanten, der wiederum auf seinen
rumänischen Zulieferer.
Wurden solche Tiefkühlprodukte auch in Deutschland verkauft?
Der Discounter Real teilte mit, dass bei Laboruntersuchungen
seiner Ware nicht deklariertes Pferdefleisch in Tiefkühl-Lasagne
nachgewiesen wurde. Aber Real könnte im Zuge des
Pferdefleisch-Skandals nicht das einzige betroffene Unternehmen in
Deutschland bleiben. Denn auch bei anderen Produkten besteht bereits
der Verdacht auf Verbrauchertäuschung durch falsch deklariertes
Fleisch.
Wie gefährlich ist die Tiefkühlkost mit Pferdefleisch?
Nach Ansicht des Bundesverbraucherministeriums gibt es „kein
gesundheitliches Risiko“. Auch gebe es keine Hinweise auf
Tierarznei- oder Dopingmittel. Es war der Verdacht laut geworden,
auch gedopte Rennpferde seien in Rumänien zu Hack verarbeitet
worden.
Werden in Deutschland auch Pferde geschlachtet?
Ja. Laut Statistischem Bundesamt wurden 2011 insgesamt 11.200
Pferde und Fohlen geschlachtet. Allerdings hatte Pferdefleisch
zusammen mit Schaf- und Ziegenfleisch nur einen Anteil von 0,3
Prozent an der gewerblichen Fleischerzeugung. Ein großer Anteil
davon wird als Hundefutter angeboten.
Ist das Fleisch so schlecht?
Im Gegenteil. Der Fettgehalt ist bei einem vergleichbaren
Eiweißgehalt höchstens halb so hoch wie bei Rindfleisch. Der
Geschmack liegt etwa zwischen dem von Rind und Wild. Pferdefleisch
wird im Internet auf vielen Seiten beworben. Allerdings wird auch
darauf hingewiesen, dass manche Menschen Pferdefleisch als etwas
süßlich empfinden.
Welche Gerichte kann man mit Pferdefleisch kochen?
Fast alle Gerichte, die auch mit Rindfleisch zubereitet werden
können. Die Garzeit ist aber meist kürzer. Steaks sind deutlich
dunkler als Rindersteaks. Klassiker sind der Sauerbraten aus
Pferdefleisch, Buletten und Bockwurst.
Wo kann der Verbraucher Pferdefleisch kaufen?
Pferdemetzger bieten ihre Produkte oft auf Wochenmärkten an.
Pferdefleisch durfte früher nicht in üblichen Schlachtereien
verkauft werden. Wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung
berichtet, darf erst seit der Fleischhygiene-Verordnung von 1991
Pferdefleisch auch in „normalen“ Metzgereien verkauft werden. Noch
gibt es bundesweit aber etwa 80 spezielle Pferdemetzgereien. Doch
während ein Italiener statistisch gesehen pro Jahr 882 Gramm
verzehrt, bringt es der deutsche Verbraucher gerade einmal auf 53
Gramm.
Worauf beruht die Zurückhaltung der Deutschen bei Pferdefleisch?
Papst Gregor II. erließ im Jahr 732 ein Verbot, Pferdefleisch zu
essen. Möglicherweise, erklären Experten, richtete sich das Verbot
nicht gegen die Kultpraktiken der heidnischen Germanen. Vielleicht
gab es einfach einen Engpass an Streitrössern. Oft lehnen Menschen
aber wegen ihrer engen Bindung zum Pferd als Arbeitskamerad oder
Sportgefährte das Fleisch ab.
( http://pferd-und-fleisch.de ; www.pferdefleisch.info )
dapd.djn/T2013021300765/vf/mwa
(Berlin)