Lässt sich Glück erlernen? © petarpaunchev - Fotolia.comDie Frage nach dem Weg zum Glück beschäftigt die Menschheit wahrscheinlich seit Beginn ihrer Existenz. Bereits im antiken Griechenland haben sich bekannte Philosophen wie Aristoteles mit dem Sinn des Lebens und einem möglichen Patentrezept für die Glückseligkeit auseinandergesetzt. Im heutigen Zeitalter, in dem sich der ständig präsente Leistungsdruck bei vielen Menschen auf den Gemütszustand auswirkt, scheint die Bedeutung dieser Fragestellung aktueller denn je zu sein.

Glück als Unterrichtsfach – Auch im Schulsystem hat man sich der Frage angenommen, wie man die Schüler zum Glück leiten kann. Mittlerweile gibt es bundesweit über hundert Schulen, die das Fach „Glück“ anbieten. Je nach Alter der Schüler und Ausrichtung der Unterrichtenden variiert das Konzept, allerdings immer mit der gleichen Zielsetzung. Das neue Unterrichtsfach soll die Sinne der Schüler für die Schönheiten des Alltags schärfen. Diese können das Bewusstsein für den Geschmack frischen Obsts oder die gemütliche Atmosphäre bei Kerzenlicht sein, aber auch der Spaß am Tanzen und an schöner Musik. So sollen die Schüler trotzt des Alltagsstress den Blick für die schönen Seiten des Lebens bewahren.

Philosophen vs. Psychotherapeuten – Etliche Philosophen würden diesem Konzept vehement widersprechen, da sie einen übergeordneten Lebenssinn als notwendig ansehen, um auch dunkle Tage im Leben meistern zu können. Die Erfahrung von Sinnlichkeit würde dabei maximal eine begleitende Rolle spielen, wäre jedoch nicht der richtige Weg zum Glück. Psychotherapeuten sehen das jedoch deutlich anders. Das Konzept der positiven Psychologie oder auch euthyme Therapie genannt hat dem bewussten Genuss in den letzten Jahrzehnten der Psychologie eine wichtige Bedeutung zukommen lassen. Die Fähigkeit auch in Krisenzeiten das eigene Glück zu fokussieren, nennen die Therapeuten Selbstfürsorge. Wer in der Lage ist, sich bewusst an Geschmack oder Klängen erfreuen zu können, dem wird es leichter fallen, stressige Zeiten zu durchschreiten.

Seit den Achtzigerjahren führen Patienten mit Depressionen oder Burn-out-Syndromen gezielt Genusstrainings durch, in denen sie die fünf Sinne gebrauchen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich dabei um den intensiven Geruch von Gewürzen handelt oder man sich ein Stück Schokolade auf der Zunge zergehen lässt. Das für Gefühle zuständige limbische System wird durch die positiven Sinnesreize stimuliert und schüttet Glückshormone wie Dopamin aus. Doch bedarf es keiner Therapie, um die schönen Effekte von Klängen, Berührungen und Düften erfahren zu können.

Musik statt Schmerzmittel – Ein britisches Forschungsteam stellte kürzlich fest, dass Musik unabhängig von der Musikrichtung sowohl Schmerzempfinden als auch die Angst nach medizinischen Eingriffen deutlich lindert und somit auch die Verwendung von Schmerzmitteln reduziere. Auch Berührungen können Unruhe und Ängste lindern. Grund dafür ist das sogenannte Kuschelhormon Oxytocin.

Auf die Frage ob das bewusste Wahrnehmen von schönen Sinnlichkeiten nun das Patentrezept für ein glückliches Leben ist, gibt es wohl keine eindeutige Antwort. Dennoch ist die Methodik ein interessanter Ansatz, um die kleinen schönen Dinge im Leben besser wahrnehmen zu können.

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