© Petra Bork  / pixelio.deViele Menschen haben Angst vor dem Alter. Nicht zwangsläufig, weil sie sich vor Schmerzen fürchten, sondern weil sie Sorge haben, nichts mehr Wert zu sein. Denn alt zu sein hat heutzutage keinen hohen Stellenwert mehr, alte Menschen werden oft als Belastung betrachtet. Um dem entgegen zu wirken, gibt es in Deutschland Biografie-Werkstätten, die durch Gespräche mit alten Menschen deren Lebensgeschichte erfahren, diese verschriftlichen und teilweise sogar in Buchform veröffentlichen. Es geht darum, jedes einzelne Leben zu würdigen, wertzuschätzen und somit Ängste zu beseitigen und Lasten abzunehmen.

In Hamburg gibt es die Biografie-Werkstatt Farmsen-Berne, die in ehrenamtlicher und generationsübergreifender Arbeit seit 2005 Senioren ab 80 Jahren interviewt. Die Mitarbeiter sind zwischen 22 und 74 Jahren und haben bereits vier Bücher veröffentlicht. Ihre Motivation begründen sie dadurch, dass man oft keine Ahnung davon hat, was alte Menschen ein Leben lang mit sich tragen. Schließlich waren viele erst Kinder oder Jugendliche, als sie einen Krieg miterleben mussten. Über die Geschehnisse wurde danach selten gesprochen, weil alle etwas Schreckliches erlebt hatten und es nicht ertragen konnten. Wenn sie den Interviewern ihre Geschichten erzählen, kann das wie eine Befreiung sein.

Bewegende Momente teilen

Dass es beide Parteien an ihre emotionalen Grenzen bringen kann, ist gut vorstellbar. Darum benötigen alle Interviewer eine intensive Schulung für seelsorgerische Kompetenzen, bevor sie die Treffen mit den Senioren beginnen, die alle 14 Tage jeweils etwa eine bis drei Stunden – je nach Belastbarkeit – stattfinden.

Ist ein Buch erst einmal fertig, findet im Rahmen der Biografie-Werkstatt eine Lesung statt, bei der aus jeder Geschichte eine Passage vorgelesen wird. Dort sind alle Beteiligten vor Ort: die ehrenamtlichen Mitarbeiter, die Geschichtenerzähler und Freunde und Verwandte. Für viele der Erzähler ist es eine Art Therapie, für viele Verwandte eine besondere Erinnerung. Denn manchmal versterben die Menschen, die an dem Projekt teilnehmen, bevor das Buch fertiggestellt wird. Einen Teil des geliebten Menschen in Schriftform in den Händen zu halten ist für sie dann wie ein Geschenk.

Weitere Biografie-Werkstätten oder ähnliche Projekte gibt es in vielen Bundesländern. Informieren Sie sich im Internet über regionale Angebote dieser Art in ihrer Umgebung. Falls Sie selbst Interesse haben teilzunehmen oder Verwandte haben, die eine bewegende Geschichte zu erzählen haben, bieten die Werkstätten eine besondere Möglichkeit, Vergangenes aufzuarbeiten und es für die Nachwelt festzuhalten.