Die Bundesregierung will aus Kostengründen
künftig offenbar keine Bundeswertpapiere mehr direkt an private
Anleger verkaufen. Ab dem Jahresende könnten Kleinanleger die
Anlageprodukte des Bundes nur noch gegen Gebühr bei Banken erwerben,
berichtete das „Handelsblatt“ (Dienstagausgabe) unter Berufung auf
ein Papier des Bundesfinanzierungsgremiums.

Düsseldorf (dapd). Die Bundesregierung will aus Kostengründen
künftig offenbar keine Bundeswertpapiere mehr direkt an private
Anleger verkaufen. Ab dem Jahresende könnten Kleinanleger die
Anlageprodukte des Bundes nur noch gegen Gebühr bei Banken erwerben,
berichtete das „Handelsblatt“ (Dienstagausgabe) unter Berufung auf
ein Papier des Bundesfinanzierungsgremiums. Das Gremium ist ein
Unterausschuss des Bundestags-Haushaltsauschusses. Zuletzt habe das
Geschäft mit Privatkunden weniger als zwei Prozent zur
Refinanzierung des Staates beigetragen.

Derzeit haben private Kunden dem Bericht zufolge rund 8,5
Milliarden Euro auf gut 330.000 Schuldbuchkonten bei der
Finanzagentur angelegt. Das entspricht weniger als einem Hundertstel
der mehr als 1,9 Billionen Euro, die Privatanleger laut Bundesbank
Ende 2011 an Bargeld und Sichteinlagen hielten.

Der Haushaltsexperte der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten
Schneider, nannte die Entscheidung einen „schweren Fehler“. „Die
Bundesregierung macht sich damit vollständig abhängig vom
Kapitalmarkt“, sagte Schneider der Zeitung.

Das vor mehr als 40 Jahren etablierte Privatkundengeschäft des
Bundes hatte 2008 mit der Einführung der Tagesanleihe an Fahrt
gewonnen. TV-Spots mit der computeranimierten sprechenden
Schildkröte „Günther Schild“ warben seither für die
Bundeswertpapiere als konservative Anlage. Die Banken protestierten
gegen die prominent geschaltete Werbung, weil sie die Konkurrenz des
Bundes fürchteten.

dapd.djn/T2012070203119/gna/mwa

(Düsseldorf)