Hamburg (dapd). Freiräume sind für eine Partnerschaft unabdingbar. Aber sie bieten auch immer wieder Stoff für Konflikte. "Mit Freunden wegzugehen, Hobbys zu pflegen oder allein in den Urlaub zu fahren, wird nicht von jedem als selbstverständlich akzeptiert", sagt der Hamburger Psychotherapeut Oskar Holzberg. "Die Balance von Nähe und Distanz ist gestört, wenn einer immerzu weg ist, während sich der andere mehr Zeit mit ihm gemeinsam wünscht." Statt dem anderen aber die Lust auf Zweisamkeit mit Vorwürfen wie "immer bist du weg" oder mit schlechter Laune erst recht zu verderben, sollte man deutlich machen, was man vermisst. Wenn zwei Menschen sich wichtig und aneinander interessiert seien, könnten sie aufeinander eingehen und einen "Modus Vivendi" finden.

Kommt man zu keiner Einigung, sollte der Enttäuschte erst einmal in sich selbst "hineinhorchen" und herausfinden, warum ihn die Alleingänge so stören und was sie bei ihm auslösen. "Dem Freiraumproblem können nämlich sehr unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen", betont der Paartherapeut. "Manchmal sind es negative Gefühle wie Neid oder Eifersucht, die Partnerschaften auch in anderen Bereichen belasten", gibt er zu bedenken. Eifersucht gründe sich meist auf ein geringes Selbstwertgefühl und einen Kontroll- und Besitzanspruch. Dann liege nämlich das Problem nicht bei den Freiräumen des Partners, sondern in einem selbst. Mitunter helfe dann schon dieses "Sich-Bewusst-Werden" der eigenen Gefühle, um die Aktivitäten des Partners in einem anderen Licht zu sehen.

Ungesunde Abhängigkeit

Manchmal leidet eine Beziehung auch unter einem ungesunden Abhängigkeitsverhältnis. "Das ist der Fall, wenn einer immer für den anderen sorgt und auf ihn wartet, während sich dieser in der Rolle des Nehmenden eingerichtet hat", erläutert Holzberg. Dann sei es angebracht, sich ebenfalls eigene Hobbys zu suchen, regelmäßig mit Freunden wegzugehen oder mal einen Kurzurlaub ohne den Partner zu machen. Dabei sollten aber nicht Rachegefühle nach dem Motto "Jetzt zeig ich’s ihr/ihm mal" der innere Antrieb sein, sondern der Spaß an der Sache.

Völlig inakzeptabel sei für aktive Partner die Bitte, eine Aktivität der Beziehung zuliebe aufzugeben. "Das kommt vor allem bei Männern an wie Freiheitsberaubung", warnt der Therapeut. Entscheidend sei für Paare letztlich nicht wirklich, wie viel Zeit sie miteinander verbringen, sondern was sie in dieser Zeit machen. "Zweisamkeit ist eine Frage der Qualität und wie aufgehoben und geborgen man sich bei dem anderen fühlt. Oft ist es nämlich das, was Partner tatsächlich vermissen."

dapd