Mannheim (dapd). Prüfungssituationen sind gefürchtet. "Die Angst vor der Leere im Kopf und vorm Versagen setzt die geistige Leistungsfähigkeit herab und damit gerade die gefürchtete Spirale in Gang, es nicht zu packen", erläutert die Mannheimer Diplom-Psychologin Doris Wolf. Innere Ruhe zu finden, sei deshalb oberstes Gebot, um die eigene Aufregung unter Kontrolle zu bringen. Aber wie geht das? "Hilfreich sind zunächst erst einmal das Wissen, gut vorbereitet zu sein, und die Einstellung, dass dies nicht eine Angelegenheit auf Leben und Tod ist", betont die Autorin ("So überwinden Sie Prüfungsängste: Psychologische Strategien zur optimalen Vorbereitung und Bewältigung von Prüfungen", Pal).
Eine Garantie gegen Aussetzer gibt es dennoch nicht, aber sie sind auch kein Beinbruch. "Wer in einer mündlichen Prüfung einen Moment lang keinen klaren Gedanken fassen kann, sollte nicht in Panik geraten", rät die Psychologin. Besser sei, sich zuzusprechen: "Bleib ruhig, atme tief durch, du musst nicht alles wissen. Du bist nicht in Lebensgefahr." Kontraproduktiv sei es dagegen, wenn der Geprüfte sich selbst und sein "dämliches Gehirn" beschimpft, weil es nicht funktioniert.
Wer bei einer Antwort plötzlich "ein Brett vor dem Kopf" habe, sollte dies offen vor den Prüfenden ansprechen, etwa: "Ich habe im Augenblick den Faden verloren. Bitte wiederholen Sie die Frage noch mal." Damit gewinne der Betroffene Zeit und die Chance, sich beim Zuhören schon mögliche Antworten zu überlegen. "Auf keinen Fall sollten sich Prüflinge in diesem Moment innerlich Druck machen, wie: ‚Oh Gott, jetzt ist alles aus, ich verstehe nichts mehr, habe alles vermasselt’", sagt die Expertin.
Neben mentalen Techniken empfiehlt Wolf auch Übungen auf körperlicher Ebene. Eine einfache Atemübung, bei der man die Hand auf den Unterbauch legt und sich darauf konzentriert, wie der Atem bis tief hinunter in den Bauch und dann langsam wieder zurück strömt, könne beim Warten vor dem Prüfungszimmer oder während einer schriftlichen Prüfung die Anspannung nehmen. Für die Übung sei kein Training nötig und nach wenigen Minuten konzentrierten Atmens stelle sich innere Ruhe ein. Auch eine Körperhaltung, die Selbstvertrauen verleiht, zum Beispiel ein aufgerichteter, gerader Rücken, könne die Angst vor der Prüfung mindern. Ausreichend Flüssigkeitszufuhr in Form von Wasser, Kräutertees und Säften sei ebenfalls hilfreich. Auf aufputschende Getränke wie Cola und Kaffee sollten Aufgeregte hingegen lieber verzichten und stattdessen für körperliche Bewegung sorgen.
dapd
