Frankfurt/Main (dapd). Beschäftigen sich Kinder bereits im Kleinkindalter intensiv mit den eigenen oder den Geschlechtsteilen ihrer Spielkameraden, reagieren Eltern und Pädagogen meist verunsichert. Sollen sie einfach wegsehen und so tun, als hätten sie es nicht bemerkt, oder das Kind darauf ansprechen, es ihm vielleicht sogar verbieten? Eva Sindram, Sexualpädagogin und Beraterin bei der Organisation "Pro Familia", rät Eltern, ganz natürlich mit den Selbstentdeckungsprozessen des Kindes umzugehen, es nicht zu unterbrechen und keinesfalls mit Verboten zu irritieren.

"Es ist völlig normal, dass Kinder sich und ihren Körper auf allen Ebenen kennenlernen wollen, dazu gehören auch erste erotische Erfahrungen", sagt Sindram. Eltern sollten sich bewusst sein, dass ihr Verhalten und ihre Reaktionen auf Lust und Liebe auch das Selbstverständnis und Selbstwertgefühl der Kinder wesentlich prägten.

Außerdem müsse man streng zwischen kindlicher und erwachsener Sexualität unterscheiden, erläutert die Diplom-Pädagogin. "Die Erotik Erwachsener ist in der Regel zweck- und zielgerichtet, sprich beziehungs-, genital – und letztlich orgasmusorientiert." Die kindliche Erotik dagegen mache keinen Unterschied zwischen Sinnlichkeit, Zärtlichkeit, Hautkontakt und Spiel.

Kinder vor Öffentlichkeit schützen

Normal und natürlich sei schließlich alles, was altersgemäß ist: Von Daumennuckeln und Mini-Erektionen beim Wickeln im ersten Lebensjahr über das Interesse an Genitalien und Ausscheidungsprozessen bei sich und anderen im Kleinkindalter bis hin zu den Doktorspielchen im Kindergartenalter. Der Bezug zu Sexualität werde erst ab dem Grundschulalter bewusster. Dann entwickle sich meistens auch das Schamgefühl, erläutert die Sexualpädagogin.

Aufgabe der Eltern sei es, ihr Kind vor zu viel Öffentlichkeit zu schützen. "Kinder müssen ab einem gewissen Alter lernen, dass es Tabus im Zusammenleben mit anderen Menschen gibt, etwa dass man sich nicht spontan vor fremden Menschen auszieht." Auch kindliche Doktorspiele seien Privatsache und dürfen nur im geschützten Umfeld stattfinden. Die Kinder können zwar experimentieren, ihnen müsse aber klar sein, dass sie sich auch hier an Spielregeln zu halten haben: "O. K. ist alles, solange man niemandem damit wehtut oder etwas macht, was der andere nicht will", sagt Sindram.

dapd