Washington (dapd). Vor rund 201 Millionen Jahren verschwand die Hälfte aller Arten von der Erde. Das vierte Massensterben in der Geschichte des Planeten folgte auf eine Reihe gigantischer Vulkanausbrüche. In umfangreichen Studien konnten Geologen jetzt beide Ereignisse mit hoher Genauigkeit auf ein und dieselbe Zeit datieren. Ihre Ergebnisse haben die Forscher im Wissenschaftsjournal "Science" (doi: 10.1126/science.1234204) veröffentlicht.
Es war eine globale Katastrophe, die den Weg für den Siegeszug der Dinosaurier freimachte. Innerhalb kürzester Zeit starben zahlreiche Arten aus. Wissenschaftler vermuteten in den vergangenen Jahren zwar immer wieder, dass ein Klimawandel in Folge heftiger Vulkanausbrüche die Ursache gewesen sein könnte. Geologische Beweise jedoch fehlten oder beinhalteten in der Datierung Unsicherheiten von mehreren Millionen Jahren.
Vulkane spuckten mehr als eine Million Kubikkilometer Lava
Forscher um den Geologen Terrence Blackburn von der Carnegie Institution for Science in Washington konnten jetzt das vierte Massensterben auf wenige Jahrtausende genau bestimmen. Mit neuen Methoden untersuchten die Wissenschaftler Basaltgestein in Neuschottland, Marokko und New York City. Anhand des Zerfalls von natürlichem Uran konnte das Team um Blackburn zeigen, dass Gesteinsschichten bis zu einem bestimmten Zeitpunkt fossile Spuren der damals aussterbenden Arten enthalten.
Vor 201.564.000 Jahren verschwanden jedoch die meisten Hinweise auf Leben aus den Basaltschichten – wohl innerhalb von maximal 20.000 Jahren verschwanden die meisten Arten von der Erde. Exakt in diese Zeit datieren die Forscher große Vulkanausbrüche in den drei untersuchten Regionen, die 3000 bzw. 13.000 Jahre auseinander liegen. Damals brach der Urkontinent Pangäa auseinander, der Nordatlantik entstand. Über 600.000 Jahre verteilt spuckten Vulkane in vier Schüben mehr als eine Million Kubikkilometer Lava aus. Die Eruptionen müssen "ein höllisches Ereignis" gewesen sein, schreiben die Experten.
Schwefel verdunkelte den Himmel
Die Ausbrüche dürften nach gängiger Überzeugung große Mengen Schwefel in die Atmosphäre geschleudert haben, die den Himmel verdunkelten. Was folgte, war ein mehrjähriger Winter, in dem viele Tiere erfroren oder verhungerten. Mit den Ausbrüchen gelangte aber auch Kohlendioxid in die Atmosphäre. Jeder der vier Schübe dürfte die Konzentration des Treibhausgases verdoppelt haben, schreiben die Forscher. Dadurch folgte auf die Kälteperiode eine Jahrtausende lange Zeit der Erwärmung – die erneut viele Arten nicht überlebt haben dürften.
Die Autoren der Studie warnen, dass sich gegenwärtig die Kohlendioxid-Konzentration durch die Aktivität des Menschen möglicherweise schon schneller erhöht, als es beim beschriebenen Massensterben der Fall war. "In mancher Hinsicht hat das Aussterben Parallelen zu heute", sagt Blackburn. "Es könnte auf einer ähnlichen Zeitskala abgelaufen sein." Weitere Studien der geologischen Spuren sollen nun zu einem besseren Verständnis darüber führen, welche Folgen eine verdoppelte Kohlendioxidkonzentration heute und in Zukunft auf das Leben auf der Erde hat.
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