Mainz (dapd). Kinder haben oft ihren ganz eigenen Geschmack – auch beim Thema Freundschaft. Viele Eltern beobachten mit Argwohn, wenn ihr Sprössling sich bestens mit der latent gewalttätigen Nachbarstochter versteht oder seine Nachmittage mit einem Jungen verbringt, dessen Eltern einen eher lässigen Erziehungsstil pflegen. "Über ihre Freunde können Kinder andere Lebensstile kennenlernen", sagt Ulrich Gerth, Vorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) in Mainz. Es habe also durchaus sein Gutes, dass der Nachwuchs die Gesellschaft von Kindern suche, die so gar nicht zum eigenen Elternhaus passen.

"Mütter und Väter sollten sich gut überlegen, ob und an welchem Punkt sie sich in so eine Kinderfreundschaft einmischen", betont der Experte. Nur weil der Spielkamerad des Sohnes ein fluchender Wildfang ist, sei das kein Grund, ihn abzulehnen. "Schließlich möchten Eltern auch nicht, dass ihre Kinder die Freunde der Erwachsenen kritisieren", gibt Gerth zu bedenken.

Hat man den Eindruck, dass sich das eigene Kind an schlechten Verhaltensweisen anderer orientiert, sollte man es darauf ansprechen. "Anstatt die Schuld dabei auf den Freund zu schieben, sollte man seinem Kind verdeutlichen, dass man nicht möchte, dass es flucht oder die Nachbarin ärgert", sagt Ulrich Gerth. Und natürlich hätten Eltern das Recht, kleine Besucher darum zu bitten, sich ihnen gegenüber anständig zu verhalten

Manchmal machen sich Mütter und Väter allerdings auch Sorgen, ihr Kind könnte durch seinen Freund oder dessen Umfeld Schaden nehmen. "Wenn der Nachwuchs bei der Familie des Freundes beispielsweise gewalttätige Computerspiele benutzt, sollte man den Eltern sagen, dass man das nicht möchte", sagt Ulrich Gerth. Zeige die Familie keine Einsicht, könne man mit seinem Kind vereinbaren, dass die Treffen mit diesem Freund künftig nur noch im eigenen Haus stattfinden.

Die bke bietet auch im Internet Erziehungsberatung für Eltern an: bke-elternberatung.de.

dapd