Mainz (dapd). Geschwister achten oft genau darauf, ob sie gegenüber Schwestern oder Brüdern zu kurz kommen. Manche Kinder neigen sogar dazu, sich permanent benachteiligt zu fühlen. Ulrich Gerth, Vorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e.V. und Leiter des Caritas Beratungszentrums St. Nikolaus in Mainz, betont: "Diese Lebenseinstellung können Eltern nicht ändern, indem sie alle Geschwister gleich behandeln. Jüngere müssen beispielsweise früher ins Bett als Ältere. Die wiederum können anspruchsvollere Arbeiten im Haushalt übernehmen als ihre kleinen Geschwister." Das Bemühen um Gerechtigkeit unter Brüdern und Schwestern dürfe nicht mit Gleichbehandlung verwechselt werden.
Fühlt sich ein Kind häufig benachteiligt, sollten Eltern überprüfen, ob es dafür objektive Gründe gibt. "Kinder registrieren sehr genau, wie oft und wie lange ein Geschwisterchen auf Mamas Schoß saß oder wie viel Zeit Eltern abends am Bett mit dem anderen verbrachten", stellt der Erziehungsberater fest.
In der Regel stecke hinter dem Vorwurf der Benachteiligung ein Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, das bei Kindern unterschiedlich ausgeprägt sei. "Manche brauchen überdurchschnittlich viel davon und fordern es durch ständiges Quengeln ein", sagt Gerth. Die Lösung liege aber nicht darin, diese Eigenarten abgewöhnen zu wollen, sondern mit ihnen zu leben. "Eltern sollten solchen Kindern dann Aufmerksamkeit schenken, wenn sie gerade nicht damit rechnen und nicht nur, wenn sie sie einfordern", rät der Experte. Freiwillig gegebene Aufmerksamkeit drücke Zuneigung aus, eingeforderte lediglich Pflichterfüllung.
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