Hamburg/Washington (dapd). Nass ist nicht gleich nass. Obwohl Geckos in feuchten Tropenwäldern erstklassige Kletterer sind, fehlt ihnen an nassem Glas der Halt. Es ist die Oberflächenchemie, die entscheidet, ob die Füße der Reptilien gut haften, berichten Forscher im Wissenschaftsjournal "PNAS" (doi: 10.1073/pnas.1219317110). Das hat Konsequenzen für Produkte, deren Hafteigenschaften sich am Geckofuß orientieren.

Geckos sind berühmt dafür, senkrechte, glatte Flächen hoch und runter klettern zu können. Unzählige Studien haben sich damit befasst, wie ihre Füße das leisten, um das Prinzip in technischen Anwendungen zu imitieren. Wenig war hingegen darüber bekannt, wie sich die Fähigkeit der Geckofüße durch Wasser verändert.

Die Chemikerin Alyssa Stark von der Universität Akron in Ohio und ihre Kollegen haben die Tiere auf die Probe gestellt. Sie ließen sechs Geckos auf vier unterschiedlichen Oberflächenmaterialien sitzen. Einmal waren die Flächen feucht, einmal trocken. Mit Hilfe eines um die Tiere geschlungenen Gurtes maßen die Forscher, bis zu welcher Zugkraft die Füße den Geckos Halt gaben.

Wasserabweisende Flächen bieten feucht noch besseren Halt

Auf hydrophilen Oberflächen, also solchen, an denen Wasser gut haftet, betrug der Halt der Tiere auf nasser Fläche nur etwa ein Drittel der Haftung, die sie auf trockener Fläche hatten. Hydrophobe Flächen hingegen, also solche, die Wasser abweisend wirken, gaben Geckos in feuchtem Zustand fünf Mal so viel Halt wie in trockenem. Lagen die chemischen Eigenschaften der Oberfläche zwischen hydrophil und hydrophob, machte Wasser keinen Unterschied für die Haftung der Geckofüße. Ursächlich für den Effekte dürfte den Forschern zufolge sein, dass die Füße der Tiere auf Wasser abweisenden Flächen trocken bleiben.

Für die Reptilien ergibt diese Oberflächenabhängigkeit durchaus einen Sinn: Einer glatten, Wasser anziehenden Oberfläche wie Glas dürften sie in der Natur seltener begegnen als den wasserabweisenden, wachsartigen Blättern tropischer Pflanzen. Relevant sei der Befund vor allem für Entwickler, die mit ihren Produkten die Technik der Geckofüße imitieren wollen, betonen Stark und ihre Kollegen – zumindest für jene Fälle, in denen die Haftung auch bei Nässe weiterbestehen soll. Immerhin können die Chemiker den Entwicklern ein wertvolles Werkzeug an die Hand geben: Wie gut die Geckofüße bei Nässe haften, ist eine berechenbare Funktion des Grads, zu dem das Oberflächenmaterial Wasser abweist.

dapd