München (dapd). Großeltern können wichtige Bezugspersonen für Enkel sein. Gibt es schwerwiegende Probleme mit den Eltern der Kinder, etwa Gewalt oder Missbrauch, fühlen sich Oma und Opa allerdings oft hilflos. "Großeltern können sich in diesen Fällen fachlichen Rat in Familien- und Erziehungstreffpunkten holen", informiert Diplom-Psychologe Hans Dusolt, Leiter der Caritas-Beratungsstelle in München. Als Bezugspersonen von Kindern haben sie genauso wie Eltern einen Anspruch auf kostenlose Beratung.

Allerdings machten nur wenige Betroffene von dieser Möglichkeit Gebrauch – aus Unkenntnis oder aus Angst, die Familie damit ans Jugendamt zu "verraten". Diese Bedenken seien jedoch unbegründet, erklärt Hans Dusolt. Mitarbeiter von Beratungsstellen unterliegen der Schweigepflicht, auf Wunsch kümmern sie sich sogar anonym um ihre Kunden.

"Es gibt häufig Fälle, in denen es Kindern schlecht geht, aber niemand wagt, etwas zu tun", weiß der Experte. "Mancher mag bei den Kleinen gar nicht nachfragen. Weil er dann nicht wüsste, wie er reagieren soll." Großeltern fürchteten zudem, als Denunzianten dazustehen. Gerade in ländlichen Regionen hätten viele Hemmungen, eine Beratungsstelle zu betreten, weil es Nachbarn mitbekommen könnten. "Dabei gilt für Beratungssuchende das Wunsch- und Wahlrecht. Das heißt, sie können Beratungsstellen auch in einem anderen Ort als dem Wohnort aufsuchen", klärt Dusolt auf.

Großeltern sollten sich nicht nur bei schweren Vergehen wie Gewalt oder Missbrauch für ihre Enkel einsetzen. "Auch wenn Liebe und Zuwendung fehlen oder kleine Kinder oft allein gelassen werden, können sie fachliche Beratung suchen", sagt der Psychologe. Dabei müssten sie nicht unbedingt familiäre Zerwürfnisse riskieren. Schlagen die Eltern zum Beispiel ein Kind, kann man sie zunächst ruhig darauf ansprechen. "Das sollte aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger geschehen", warnt der Experte. "Der beste Weg ist eine neutrale Schilderung – ohne Wertung und Interpretation." Eventuell könnten Großeltern die Eltern dann sogar animieren, mit ihnen zusammen eine Beratung aufzusuchen.

dapd