New Orleans (dapd). Den Patienten ein Vorbild: Ärzte, Physiotherapeuten und andere Gesundheitsdienstleister animieren ihre Patienten häufiger zu mehr Bewegung, wenn sie selbst sportlich aktiv sind. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Amerikanische Herz-Gesellschaft auf der Fachtagung "Epidemiology and Prevention/Nutrition, Physical Activity and Metabolism 2013" in New Orleans vorgestellt hat.

Forscher um die Medizinerin Isabel Garcia de Quevedo der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta, Georgia, haben insgesamt 28 Studien ausgewertet, die die Aktivitätslevel von Gesundheitsdienstleistern in Bezug dazu setzten, was diese ihren Patienten geraten haben.

In 23 von 24 Studien, die das Verhalten der medizinischen Fachleute erfassten, empfahlen die körperlich aktiven ihren Patienten deutlich häufiger, mehr Bewegung in den Alltag zu integrieren. Einige Studien legten sogar nahe, dass sportliche Gesundheitsdienstleister bis zu fünf Mal häufiger diesen Ratschlag erteilten als eher träge Berufskollegen.

Bewegungsaktive Ärzte können kompetenter beraten

Im Verlauf von vier weiteren Studien wurden Gesundheitsdienstleister nicht nur mit ihrem eigenen Verhalten erfasst, sondern aktiv angehalten, sich selbst stärker sportlich zu betätigen. In zwei der Studien hatte das positive Auswirkungen auf die Ratschläge an die Patienten. Wenn die Fachleute selbst mehr in den Tritt kamen, führte das dazu, dass sie auch selbstsicherer und effektiver ihren Patienten Tipps für einen aktiveren Lebensstil gaben.

Einen weiteren Beleg fanden die Forscher bei Medizinstudenten. Wenn sie an einem Programm teilnahmen, das zu einem gesünderen Lebensstil anleiten sollte, empfahlen sie Patienten bei Standarduntersuchungen viel häufiger, sich mehr zu bewegen, als Studenten, die nicht an diesem Programm teilgenommen hatten.

Gesundheitsdienstleister schulen, um Gesellschaft aktiver zu machen

"Wenn der Rat verbunden ist mit Hinweisen auf örtliche Angebote, kann er sehr effektiv sein", schreibt Koautor Felipe Lobelo vom CDC. Der Ansatz, Gesundheitspersonal zu mehr eigener Aktivität zu animieren, sollte daher Bestandteil öffentlicher Gesundheitsprogramme sein, um der zunehmenden Trägheit in der Gesellschaft zu begegnen, fordern die Wissenschaftler. "Patienten verlassen sich auf Empfehlungen ihrer Gesundheitsdienstleister, um ein gesünderes Verhalten anzunehmen", betont de Quevedo.

Am besten dürften Frauen diese Aufgabe wahrnehmen: Ärztinnen sind fitter als ihre männlichen Kollegen, wie eine Studie des Karlsruhe Institut für Technologie von 2012 ergab. Während Ärztinnen bei einem Walking-Test besser abschnitten als die Durchschnittsbevölkerung, waren ihre männlichen Kollegen schlechter als der Durchschnitt. In jungen Jahren allerdings sind Männer der Karlsruher Studie zufolge noch überdurchschnittlich gut in Form. Die Forscher vermuten deshalb, dass junge Männer besonders leistungsorientiert sind, mit zunehmendem Alter aber den Alltagssport vernachlässigen.

In Deutschland klaffen das theoretische Verständnis dessen, was für die Patienten wichtig ist und die Praxis allerdings auseinander: Eine Untersuchung der Bundesärztekammer hatte 2006 ergeben, dass eine große Mehrheit der Mediziner die vorsorgende Gesundheitsberatung zwar als wichtig erachtet – diesem Thema aber nur durchschnittlich zehn Prozent der Zeit mit dem Patienten widmet.

dapd