Freiburg/Hamburg (dapd). In Großbritannien gehört die tägliche Teatime zum festen Bestandteil der Kultur. Auch in Deutschland bieten mittlerweile etliche große Hotels das nachmittägliche Vergnügen an. "Zum Tee werden dabei traditionell süße und pikante Spezialitäten serviert", sagt Gabriele Gugetzer, Autorin des Buches "Teatime". Klassisch seien zum Beispiel Shortbread, Scones mit Erdbeermarmelade und Clotted Cream sowie herzhaft belegte Sandwiches. "Ich persönlich liebe diese kulinarische Zeremonie und veranstalte sie auch gerne in den eigenen vier Wänden für Freunde und Familie", sagt die Autorin.

Im Vereinigten Königreich ist das Teetrinken jedoch viel mehr als nur ein Genussritual. "Der Fünfuhrtee galt früher als Merkmal und Vorrecht der nicht arbeitenden Oberschicht", erklärt Gugetzer. Aber auch in den Arbeiterfamilien habe man Tee konsumiert, zum Beispiel als klassisches Getränk zum Abendbrot. "Es gab starken Schwarztee, der mit viel Milch und Zucker getrunken wurde", berichtet die Autorin. So werde der Tee in Großbritannien auch heute noch gern genossen.

Noch immer sei die Frage, ob man eine Tasse Tee wünsche, ein Ausdruck der britischen Gastfreundschaft. In London träfen sich auch viele Geschäftsleute außer Haus zur gemeinsamen Teestunde. "So kann man in lockerer Runde bei einem kleinen Snack Geschäftliches besprechen", sagt Gugetzer.

Behagliche und lockere Atmosphäre

Wer im privaten Rahmen zur stilechten Teatime laden wolle, benötige als erstes genügend Geschirr. "Witzig sieht hier zum Beispiel bunt zusammengewürfeltes Porzellan vom Flohmarkt aus", sagt die Autorin. Dazu könne man als bewussten Kontrast ein edles Leinen-Tischtuch und Stoffservietten mit Serviettenringen kombinieren. Wichtig sei vor allem, eine behagliche, lockere Atmosphäre zu schaffen. "Der Tisch muss nicht perfekt sein, die Qualität des Tees allerdings schon", betont die Autorin.

Der starke englische Tee erinnere in seinem Aroma an die deutsche Ostfriesentee-Mischung. "Sie besteht vor allem aus dem aromatischen Assam, der aufgrund seiner Stärke gut zu Milch und Zucker passt", erklärt Gabriele Gugetzer. Gut passe auch der fruchtige Darjeeling. "Mildere Sorten wie zum Beispiel Oolong gehen in der Kombination mit Milch und Zucker und den süßen und pikanten Snacks eher unter", meint die Autorin. Beim Kauf solle man am Besten in losen Tee investieren. Dieser sei auf den ersten Blick zwar teurer als Beutel, dafür aber viel ergiebiger. "Hier ist die Qualität der Teeblätter zudem offen sichtbar", betont Gugetzer.

Zum Tee passen pikante Sandwiches

Zum Tee könne man neben selbst gemachten Scones auch kleine Tartes, Cheesecake, Karottenkuchen mit Frischkäsecreme, feinherbe Pralinen aus dunkler Schokolade, Minitörtchen oder Muffins reichen. Lecker sind auch pikante Sandwiches aus weichem, ungeröstetem Toastbrot. "Diese sehen dekorativ aus, wenn man sie diagonal oder in daumendicke Streifen schneidet", sagt Gugetzer. Sehr gut schmeckten Varianten mit Roastbeef, Lachs und Meerrettich, Gurken oder Krabben. Ein besonderes Highlight sei ein überbackenes Käsesandwich mit Speck und Apfel-Zwiebel-Chutney. "Es kommt aus dem Ofen und wird warm serviert", sagt die Autorin.

Stilpunkte könne man mit dem "Coronation Chicken", zu deutsch "Krönungs-Hühnchen", sammeln. "Dieser kalte Geflügelsalat mit Curry wurde für das Bankett anlässlich der Krönung von Elizabeth II. kreiert", erläutert Gugetzer. Darüber hinaus könne man Häppchen mit Räucherfisch und Fleisch, etwa Würstchen in Blätterteig, oder pikante Käsemuffins servieren. "Edel wirkt es, wenn Sie die Speisen auf einer oder mehreren Etageren anrichten."

Moccacino und türkischer Kaffee sind mal was anderes

Manche Genießer halten bei der kleinen Auszeit am Nachmittag allerdings ihren Kaffee für unverzichtbar. Wer für Freunde und Familie eine Kaffeetafel ausrichten will, kann alternativ zur Filtervariante auch mal etwas anderes anbieten. "Für Abwechslung sorgen zum Beispiel Spezialitäten wie Moccacino oder türkischer Mokka", sagt Dagmar Reichel, Autorin des Buches "Komm zum Kaffeeklatsch".

Der Moccacino sei eine heiße Schokolade mit einem starken, frisch gebrühten Espresso als Zugabe. Der türkische Kaffee werde in einem Stielkännchen aus Kupfer oder Messing zubereitet. "Hierfür verwendet man stark gerösteten und sehr fein gemahlenen Mokka", sagt die Autorin. Für die Zubereitung werde das Kaffeepulver zusammen mit etwas Zucker und Wasser gekocht. "Nach dreimaligem Aufkochen lässt man den Mokka kurz stehen, so dass sich das Kaffeemehl absetzen kann", erklärt Reichel. Der Kaffee werde nun vorsichtig in ein Mokkatässchen gegossen und sofort serviert.

Zum Kaffeeklatsch passten zum Beispiel süße Genüsse wie saftiger Mohn-Birnenkuchen aus der Kastenform, Eclairs mit Ingwercreme oder Espressotarte. "Für ein Büfett mit Kleinigkeiten bieten sich knusprige süße Grissini mit Schoko- oder Nussdip an", empfiehlt Reichel. Der Teig dafür bestehe aus Quark, Butter, Mehl, etwas Zucker und einer Prise Salz. "Für eine festliche Kaffeetafel ist eine Schokotorte aus Biskuit mit Schokocremefüllung und Schokoguss genau das Richtige", sagt die Autorin.

dapd